„Es war doch nicht so gemeint“ – diesen Satz hat sicherlich jeder in seinem Leben schon einmal gesagt und oft gehört. Kommunikation läuft selten reibungslos ab. Zwischen dem Sender und dem Empfänger einer Nachricht liegen einige Hürden, die zu Missverständnissen führen können. In der Kommunikationspsychologie gibt es verschiedene Modelle und Lehren, die für Sie als Führungskraft tagtäglich relevant sind. Lesen Sie hier mehr über wichtige Zusammenhänge und Einflüsse in der Kommunikation.

Informationsverluste zwischen Sendern und Empfängern durch Vorannahmen

Ein wesentlicher Grund für Störungen in der Kommunikation ist, dass Sender und Empfänger nie „unbelastet“ sind. Jeder hat durch seine bisherigen Erfahrungen und Einstellungen Vorannahmen, auf die er sich mitunter blind verlässt. Durch diese internen, psychosozialen Filter bei Sendern und Empfängern kann es zu Informationsverlusten kommen. Der österreichische Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat dies sinngemäß in einer Wortkette zusammengefasst:

„Gedacht ist noch lange nicht gesagt. Gesagt ist noch lange nicht gehört. Gehört ist noch lange nicht verstanden. Verstanden ist noch lange nicht einverstanden. Einverstanden heißt noch lange nicht angewendet. Angewendet heißt noch lange nicht beibehalten.“

Dementsprechend gilt es, bei der täglichen Kommunikation darauf zu achten, dass das, was der Sender gedacht und gesagt hat, nicht beim Empfänger angekommen sein muss. Vergewissern Sie sich also, ob der Empfänger Ihrer Nachricht, Ihre Worte vollständig wahrgenommen und verstanden hat. Vermitteln Sie dieses Bewusstsein auch Ihren Mitarbeitern, damit Missverständnisse im Team nicht zu Konflikten werden.

Die vier Aspekte einer Nachricht: Hinterfragen Sie Ihre Vorannahmen

Mit der unterschiedlichen Wahrnehmung von Nachrichten beschäftigt sich auch das bekannte „Vier-Seiten-Modell“ von Friedemann Schulz von Thun. Dieses besagt, dass jede Aussage unter vier Aspekten vom Empfänger betrachtet werden kann:

Sachinhalt: Welche Sachinformation möchte der Sender übermitteln?

Selbstoffenbarung: Was verrät der Sender über sich selbst?

Beziehungsaspekt: Wie steht der Sender zum Empfänger?

Appell: Was möchte der Sender beim Empfänger erreichen?

Mit seiner Nachricht übermittelt der Sender also mehr als nur reine Sachinformationen. Je nach seinen Vorannahmen und Erfahrungen nimmt der Empfänger oftmals einen Aspekt der Nachricht stärker wahr als die anderen Aspekte. So entstehen Missverständnisse zwischen dem, was der Sender übermitteln wollte und dem, was der Empfänger wahrgenommen hat. Es ist demnach wichtig, dass Sie immer alle vier Aspekte einer Nachricht hinterfragen und nicht einfach auf Ihre Vorannahmen oder Wahrnehmungen vertrauen.

Typenmodelle zur besseren Einordnung des eigenen Verhaltens und das anderer Menschen

Schon im Altertum entstanden durch Ärzte wie Hippokrates und Galen Ansätze der Typenlehre, um Menschen gewisse Eigenschaften zuzuordnen. Auch der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung hat mit seinen „Psychologischen Typen“ versucht, die Menschen zu kategorisieren. Ausgehend von den zwei Verhaltenspräferenzen introvertiert – auf die innere Welt ausgerichtet – und extravertiert – auf die äußere Welt ausgerichtet – und den vier Bewusstseinsfunktionen Denken, Fühlen, Empfinden und Intuition hat er acht Typen klassifiziert. Ziel dieser und anderer Typologien ist, Menschen Anhaltspunkte zu geben, wie sie ihr eigenes Verhalten besser steuern und das anderer Menschen besser einschätzen können. Dies kann in der Kommunikation helfen, um Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden und Sympathien beim Gesprächspartner zu erzeugen. Allerdings besteht auch durch die Typisierung die Gefahr, dass Menschen dadurch zu schnell in Schubladen eingeordnet werden und die Einzigartigkeit des Individuums zu wenig Beachtung findet. Denn generell verfügt jeder über alle Eigenschaften von allen Persönlichkeitstypen. Einzelne Eigenschaften treten in bestimmten Situationen, zum Beispiel unter Stress, stärker hervor.

Erfolgreiche Menschen leben nach Prinzipien

Stephen Covey, ein amerikanischer Therapeut und Unternehmensberater, hat acht Prinzipien entwickelt, nach denen effektive und erfolgreiche Personen leben. Die folgenden Tipps enthalten vor allem für Führungskräfte Ansätze für effektive Verhaltensweisen:

Seien Sie proaktiv: Agieren statt reagieren Sie.

Behalten Sie von Anfang bis Ende das Ziel im Auge.

Das Wichtigste kommt zuerst: Setzten Sie Prioritäten, kommunizieren und verfolgen Sie diese konsequent.

Schaffen Sie Win-Win-Situationen für sich und Ihre Umgebung.

Hören Sie zuerst aktiv zu und versuchen Sie, Ihr Gegenüber zu verstehen. Das öffnet Ihren Gesprächspartner auch für Ihre Meinung.

Bündeln Sie die einzelnen Stärken Ihrer Mitarbeiter durch positives Teamwork. Dadurch erreichen Sie gemeinsam Ziele, die der Einzelne nicht erreicht hätte.

Gehen Sie sorgsam mit den eigenen Ressourcen und der Gesundheit um und erneuern Sie dadurch ständig Ihre Energie. Nur so erreichen Sie einen langfristig effektiven Lebensstil.

Finden Sie Ihre innere Stimme und inspirieren Sie auch andere dazu, ihre Intuition zu nutzen.

Die Einstellungen und gesammelten Erfahrungen eines Menschen wirken wie ein interner Filter auf alle eintreffenden Informationen, wodurch niemand völlig unvoreingenommen ist. Wenn Sie und Ihre Mitarbeiter diesen Vorannahmen nicht blind vertrauen, sondern sie hinterfragen und die unterschiedlichen Aspekte einer Nachricht betrachten, können Sie Missverständnissen in der Kommunikation vorbeugen.