Persönliche Angriffe, Killerphrasen oder Drohungen: Wenn Ihr Gesprächspartner keine guten Sachargumente hat, wird er zu unfairen Methoden greifen, um Sie zu verunsichern. Begegnen Sie diesen Angriffen ruhig und gelassen, gehen Sie am Ende trotzdem als Sieger vom Platz. Wie Sie schlagfertig reagieren, lesen Sie hier.

Wenn Sie persönlich angegriffen werden

Bereits Schopenhauer wusste: Wer einen anderen persönlich angreift und dessen Selbstwertgefühl erschüttert, möchte, dass der Gesprächspartner die Selbstbeherrschung und sein Urteilsvermögen verliert. Wenn Sie auf unfaire Angriffe anspringen, reagieren Sie unüberlegt und lassen sich vom eigentlichen Thema ablenken. Damit hält der Angreifer alle Trümpfe in der Hand. Lassen Sie sich nicht in eine derartige defensive Lage bringen. Ein Gegenangriff ist allerdings auch nicht die Lösung. Damit verschwenden Sie Zeit und Energie und die Situation eskaliert. Besser ist es, wenn Sie in Gedanken einen Schritt zur Seite gehen, sodass Sie der unfaire Angriff nicht trifft. Dann lenken Sie die Energie des Angriffes wieder auf das eigentliche Sachthema. In Ihrer Antwort ignorieren Sie zum Beispiel die verbale Attacke und leiten durch eine Rückfrage oder durch eigene sachliche Argumente wieder zum Thema über. Behalten Sie immer Ihr Ziel und das Sachthema im Fokus und lassen Sie sich nicht von einem unfairen Gesprächspartner emotionalisieren. Damit Sie Zeit zum Überlegen gewinnen und die Kontrolle behalten, verwenden Sie Brückensätze:

  • „Ihre Aussage erstaunt mich.“
  • „Ich frage mich, wie Sie zu dieser Einschätzung gelangen.“
  • „Diese Aussage höre ich heute zum ersten Mal von Ihnen.“
  • „Das ist eine sehr pauschale Behauptung.“

An diese Brückensätze schließen Sie dann entweder eine Rückfrage an oder Sie argumentieren selbst sachlich weiter. Dieser deeskalierende Weg ist empfehlenswert, wenn Ihnen die Beziehung zu Ihrem Gegenüber wichtig ist, zum Beispiel bei Kunden oder Vorgesetzten.

Wie Sie Killerphrasen und Totschlagargumente abwehren

„Das ist unserer Zielgruppe nicht vermittelbar“, „Dafür haben wir keine Zeit“ oder „Das haben wir schon versucht, das wird nichts“ – derartige Totschlagargumente und Killerphrasen haben Sie bestimmt schon öfters gehört. Gerade wenn es um unbequeme Veränderungen geht, werden diese nichtssagenden Behauptungen gerne hervorgebracht. Damit möchte Ihr Gesprächspartner Ihre Argumentation abwürgen und Sie verunsichern. Diese Taktik ist relativ leicht zu durchschauen. Lassen Sie sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Stellen Sie offene Fragen, in denen Sie Ihren Gesprächspartner auffordern, seine Argumente darzulegen:

  • „Welche Argumente sprechen aus Sicht Ihrer Zielgruppe dagegen?“

Möglich ist auch, dass Ihr Gegenüber tatsächlich noch nicht erkannt hat, wie strategisch bedeutend zum Beispiel die vorgeschlagenen Veränderungen sind. Dann fassen Sie ihm nach einem neutralisierenden Brückensatz noch einmal die drei wichtigsten Argumente zusammen.

Schenken Sie Drohungen keine Aufmerksamkeit

Angst ist kein guter Ratgeber. Deshalb legen es einige Gesprächspartner darauf an, Ängste bei Ihnen zu schüren. Drohungen sind da ein beliebtes Mittel, zum Beispiel mit besseren Konkurrenzangeboten oder Rückschlägen auf der Karriereleiter. Bleiben Sie gelassen und ignorieren Sie die Drohung am besten. Zeigen Sie generelles Verständnis für die Situation und Interessen Ihres Gegenübers. Weisen Sie auf Ihre Interessen und Möglichkeiten hin und fordern Sie Ihren Gesprächspartner auf, Ihnen weitere Hintergrundinformationen zu geben. Wenn die Verhandlungen noch nicht weit fortgeschritten sind, können Sie auch alternative Ideen einbringen.

So gehen Sie mit versteckten Manipulationen um

Nicht alle unfairen Angriffe sind so offensichtlich. Manipulationen sind subtiler; sie verschleiern und täuschen. Geschickte Rhetoriker können zum Beispiel gekonnt mit erfundenen Zahlen und Personen argumentieren, sodass es mitunter nicht leichtfällt, diese Taktik zu erkennen. Wenn Ihr Gesprächspartner mit beeindruckenden Zahlen zur Kundenzufriedenheit oder Studienergebnissen argumentiert, bleiben Sie misstrauisch und prüfen Sie das Gesagte durch gezielte Nachfragen auf seine inhaltliche Konsistenz. Fragen Sie einfach, wie die Kundenzufriedenheit ermittelt wurde und wie viele Personen befragt wurden. Bitten Sie ihn auch, Ihnen die Studienergebnisse zuzuschicken. So machen Sie deutlich, dass Sie sich nicht von derartigen Behauptungen blenden lassen. Eine beliebte Taktik bei schwierigen Verhandlungen ist, eine andere, nicht anwesende Person vorzuschieben.

  • „Das kann leider nur mein Vorgesetzter entscheiden.“

Auf solche Ausflüchte reagieren Sie am besten, indem Sie die Verhandlungsergebnisse festhalten und einen gemeinsamen Termin mit der entscheidenden Person vorschlagen.

10 Tipps für mehr Schlagfertigkeit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unfaire Angriffe abzuwehren. Je nach Situation und Bedeutung der Beziehung können Sie aus den folgenden zehn Vorschlägen auswählen:

Stellen Sie eine Rückfrage. Damit gewinnen Sie Zeit und spielen den Ball zu Ihrem Gesprächspartner, der nun präziser werden muss.

Nehmen Sie die Beleidigung auf, deuten Sie diese in Ihrem Sinne um und stimmen dann zu.

Wandeln Sie die negative Aussage über Sie in eine positive um: „Das Gegenteil ist der Fall. Ich bin sehr stolz auf …“

Nehmen Sie die Bemerkung Ihres Gegenübers mit „gerade weil“ auf und führen Sie Argumente an, die für Sie sprechen.

Lenken Sie die Aufmerksamkeit von einer negativen Diskussion durch eine Frage nach den positiven Aspekten ab.

Wenn jemand eine unfaire Behauptung aufstellt und daran gleich eine Frage anschließt, entkräften Sie zunächst die Behauptung, bevor Sie die Frage beantworten. Sätze wie „Das entspricht nur Ihrer subjektiven Wahrnehmung. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Folgende Fakten sprechen für …“ eignen sich sehr gut dafür.

Sprechen Sie den Gemütszustand Ihres Gegenübers an und lenken Sie mit einer Frage zurück zur Sache: „Sie sind offensichtlich sehr wütend. Worum geht es Ihnen sachlich gesehen?“

Taktlose Fragen müssen Sie nicht beantworten. Lehnen Sie die Beantwortung mit einer kurzen Begründung ab, zum Beispiel, dass das Angesprochene nicht zum Thema gehört oder Sie generell darüber nicht sprechen.

Verwirren Sie den Angreifer mit einer unpassenden Antwort, zum Beispiel einem Sprichwort, einem Kompliment oder einem Wechsel zu einem banalen Thema wie Wetter, Urlaub oder die aktuelle Speisekarte der Cafeteria.

Wenn Ihnen die Beziehung nicht wichtig ist, können Sie die Beleidigung auch als Retourkutsche zurückgeben.

Das Wichtigste bei unfairen Angriffen ist, dass Sie nicht emotional anspringen, wie es der Angreifer geplant hat. Wenn Sie Drohungen einfach ignorieren, Brückensätze benutzen und Rückfragen stellen, behalten Sie die Kontrolle und lassen Verbalattacken ins Leere laufen.