Viele Unternehmen setzen bei ihren Mitarbeitern auf Weiterbildungsmaßnahmen wie Seminare oder Coaching. Inwieweit diese erfolgreich sind, hängt von der Lernfähigkeit der einzelnen Personen ab. Lernen ist ein komplexer Prozess, der sich im Inneren eines Individuums abspielt. Wenn Sie diesen verstehen, können Sie das individuelle Lernen besser fördern. Hier erfahren Sie mehr über die theoretischen Grundlagen des erfolgreichen Lernens.

Grundlagen des Lernens

Die Basis des Lernens sind Erfahrungen und Selbstveränderung. Lernen ist ein Prozess, der zu relativ stabilen Verhaltensveränderungen im kognitiven, emotionalen und psychomotorischen Bereich führt. In den individuellen Lernprozess sind alle Gedächtnisarten involviert: das Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie das sensorische Gedächtnis. Im Langzeitgedächtnis ist durch bereits existierendes Wissen das Interesse vorhanden, eine neue Fertigkeit zu erlernen. Dadurch wird im Kurzzeitgedächtnis der Zustand der Aufmerksamkeit initiiert, der die sensorischen Organe auf einen Prozess ausrichtet. Selektive Wahrnehmung wird möglich, wodurch sensorische Informationen ins Kurzzeitgedächtnis gelangen. Dieses erzeugt wiederum Verknüpfungen zum Langzeitgedächtnis und vergleicht die neuen Informationen mehrmals mit den bereits vorhandenen. Wenn Vorwissen existiert und die neuen Informationen wichtig und neu erscheinen, kann das Erlernte in das bestehende Wissenssystem des Langzeitgedächtnisses eingeordnet werden.

Die Lernfähigkeit nimmt im Laufe des Lebens ab  

Im Kindesalter lernen Menschen in kurzer Zeit unglaublich viel: zum Beispiel Laufen, Essen, Sprechen, soziales Verhalten oder den Umgang mit Emotionen. Bis etwa zum sechsten Lebensjahr bilden sich im Gehirn sehr viele Synapsen, also Verbindungen zwischen den Gehirnzellen. Das ermöglicht ein schnelles und intensives Lernen. Deshalb können Kinder etwa Fremdsprachen besonders leicht lernen. Die Lernfähigkeit nimmt im Laufe des Lebens ab, auch wenn vielleicht die Lust am Lernen bestehen bleibt. Mit zunehmendem Alter lernt der Mensch jedoch mehr über das Lernen selbst, wie er am besten lernt, und gewinnt an analytischen Fähigkeiten und Methodenwissen. In der heutigen Wissensgesellschaft verändert sich das Wissen so schnell, dass das sogenannte lebenslange Lernen immer wichtiger wird.

Verschiedene Formen des individuellen Lernens

Obwohl Vertreter der verschiedenen Lernkonzepte (Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus) die Formen des Lernens unterschiedlich gewichten, können Sie grundsätzlich von fünf Formen des Lernens ausgehen:

  • Lernen am Erfolg (Konditionierung): Durch Wiederholung eines Vorgangs kann ein Mensch ein bestimmtes Verhalten einüben. Positive Konsequenzen, zum Beispiel eine Belohnung, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass er das Verhalten wiederholt. Folgen negative Konsequenzen wie Bestrafung, wird der Mensch das Verhalten vermeiden. Allerdings berücksichtigt dieser Ansatz nicht die individuellen Lernmotive und -bedürfnisse, die in der Persönlichkeit eines Menschen liegen und nicht von außen entstehen.
  • Habituation oder Gewöhnung: Bei dieser einfachsten Form des Lernens lernt der Mensch unbewusst, Reize zu ignorieren, die gerade nicht sinnvoll sind. Damit schützt er sich vor Reizüberflutung und erhöht seine Aufmerksamkeit für wichtige Dinge.
  • Lernen am Modell (Nachahmungslernen): Bei dieser kognitiven Lernform lernt ein Mensch, indem er das Verhalten von anderen Menschen und die darauffolgenden Konsequenzen beobachtet und sich als Folge neue Verhaltensweisen aneignet beziehungsweise seine bestehenden weitgehend verändert. Die Beziehung zwischen dem Lehrer und dem Lernenden ist von entscheidender Bedeutung.
  • Lernen durch Einsicht (ohne Vorbild): Bei dieser Form des kognitiven Lernens lernt der Mensch ohne ein Vorbild und ohne Ausprobieren, indem er im Kopf eine Lösung entwickelt und sein Verhalten ändert. Für Außenstehende scheint es, als ob die Verhaltensänderung plötzlich geschieht. Damit der Lernende alternative Lösungen analysieren und eine Strategie entwickeln kann, sind besondere mentale Fähigkeiten notwendig.
  • Lernen durch Traditionsbildung oder Informationsweitergabe: Diese für den Menschen typische Lernform hat gerade im digitalen Zeitalter eine enorme Bedeutung. Der Mensch kann seit der Entstehung des Buchdrucks von geschriebenem Wissen Gebrauch machen. Heutzutage ist der Zugriff auf Informationen jederzeit schnell möglich, wodurch wieder neue Herausforderungen beim Lernen entstehen: Der Mensch muss aus der Flut an Informationen die für ihn relevanten herausfiltern.

Lernkonzepte und Ihre Rolle als Führungskraft

 Aus den verschiedenen  Lernkonzepten – Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus – ergeben sich unterschiedliche Rollen für den Lehrer. An diesen können Sie sich auch als Führungskraft orientieren:

  • Behaviorismus: Als klassischer Informationsvermittler lehrt und erklärt der Lehrer Faktenwissen.
  • Kognitivismus: Der Lehrer versteht sich als Tutor und sieht seine Aufgabe im Beobachten, Vorführen und Helfen.
  • Konstruktivismus: Der Lehrer interagiert und kooperiert mit dem Lernenden und entspricht damit eher einem Coach.

Was für erfolgreiches Lernen wichtig ist  

Lernpsychologen haben festgestellt, dass ein Mensch 90 Prozent von dem behält, was er selbst ausführt. Die praktische Erfahrung ist also enorm wichtig im Lernen. Im Gegensatz dazu behält ein Mensch nur 10 Prozent von dem, was er nur liest. Das bedeutet, dass Ihre Mitarbeiter am besten lernen, wenn akustische, visuelle, taktile und emotionale Reize miteinander verknüpft sind. Emotionen spielen eine wesentliche Rolle beim Lernprozess. Angst, Sorgen oder Stress beeinträchtigen, dass sich der Lernende neue Informationen einprägen kann und mindern damit den Erfolg des Lernens.

Wenn Sie bei Weiterbildungsmaßnahmen für die richtige Umgebung sorgen, sodass stress- und angstfreies Lernen möglich ist, und die Mitarbeiter zum praktischen Ausüben des Erlernten ermutigen, schaffen Sie gute Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen.