Bei beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen zeigt sich wie auch in Schulen oder Universitäten, dass das erworbene Wissen nicht oder nur zum Teil in der Praxis eingesetzt wird. Ein Grund dafür ist, dass die Lernenden eine rezeptive Lernhaltung einnehmen und nicht selbstständig reflektieren und Anwendungsmöglichkeiten entdecken. Bei der aufgabenorientierten Personalentwicklung nach konstruktivistischen und computerbasierten Ansätzen steht deshalb das selbstorganisierte Lernen im Vordergrund. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über Rahmenbedingungen und Methoden dieser Ansätze.

Konstruktivistische Maßnahmen: Anwendung von Wissen steht im Vordergrund

Bei konstruktivistischen Ansätzen geht es darum, den Lerntransfer zu erhöhen, das erworbene Wissen also auf konkrete Aufgabenstellungen zu transferieren. Damit können die Lernenden berufliche Aufgaben besser bewältigen. In der Praxis kann dies zum Beispiel bedeuten, dass Absolventen eines Lehrgangs nicht mehr in Fächern mit abstrakten Aufgaben geprüft werden, sondern praktische Aufgaben lösen, die tatsächlichen Situationen entsprechen und bei denen sie ihr erworbenes Fachwissen aus den verschiedenen Fächern anwenden müssen. Das Ziel konstruktivistischer Maßnahmen ist, dass die Lernenden ihre erworbenen Fertigkeiten umsetzen und anwenden können, anstatt nur das bestehende Wissen zu erweitern. Das Wissen ist also auf konkrete Handlungen bezogen. Wenn Sie konstruktivistische Lernansätze für die Personalentwicklung nutzen möchten, ist es entscheidend, dass das Management des Unternehmens und andere Bildungsverantwortliche offen für neue Weiterbildungskonzepte sind und nicht ausschließlich auf traditioneller Wissensvermittlung beharren. In der Praxis findet meistens eine Kopplung von traditionellen und konstruktivistischen Ansätzen statt.

Notwendige Bedingungen für konstruktivistische Maßnahmen

Konstruktivistische Maßnahmen der Personalentwicklung erfordern andere Bedingungen als traditionelle Weiterbildungsmaßnahmen. Für die Reflexion und Anwendung des Gelernten ist eine individuellere Betreuung notwendig. Es sollten also idealerweise Kleingruppen von bis zu vier Personen zusammenarbeiten. Der Trainer ist dabei weniger Wissensvermittler, sondern eher Begleiter und Impulsgeber für den Lernprozess. Die praktische Ausrichtung der Maßnahmen macht es erforderlich, dass der Trainer Kenntnisse über den Arbeitsalltag und typische Situationen der Teilnehmer hat. Mitunter ist auch eine Kooperation mehrerer Fachtrainer notwendig, wenn es sich um komplexe Anforderungen handelt. Die Teilnehmer wiederum müssen sich gedanklich darauf einstellen, dass sie sich die Lerninhalte zum Teil allein oder in Gruppenarbeit erarbeiten. Dafür ist es notwendig, in Alternativen zu denken.

Aktives Lernen und vielfältige Perspektiven: Prinzipien konstruktivistischer Ansätze

Das Bearbeiten von Aufgabenstellungen in Kleingruppen ermöglicht ein Lernen im sozialen Kontext. Die Teilnehmer diskutieren gemeinsam die Lerninhalte und nehmen verschiedene Perspektiven ein. Der Trainer regt diese Reflexionsprozesse durch Moderation an. Die Aufgabenstellung sollte die Teilnehmer fordern, aber nicht überfordern. Dann wirkt sie motivierend auf die Teilnehmer. Es gibt verschiedene Konzepte wie Anchored Instruction oder Cognitive Apprenticeship, die auf den nachfolgenden allgemeinen Prinzipien konstruktivistischer Ansätze beruhen:

  • Die aktive Lernhaltung wird gefördert, da sich die Lernenden die Lerninhalte selbst erschließen und nicht nur rezipieren. Trainer und Lernmaterialien unterstützen die Auseinandersetzung.
  • Die Teilnehmer werden zum selbstorganisierten Lernen animiert, indem sie zunächst an den Lerninhalt herangeführt werden und später eigenständig ihre Lernziele verfolgen.
  • Das Vorwissen findet Berücksichtigung, sodass neue Informationen an vorhandenes Wissen und bestehendes Wissen an die neuen Informationen angepasst werden.
  • Die Lerninhalte spiegeln authentische Situationen und Problemstellungen aus dem beruflichen Alltag der Teilnehmer wider.
  • Durch die Gruppenarbeit werden die Teilnehmer animiert, denselben Lerninhalt aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und in Alternativen zu denken.

E-Learning: Elektronische Medien unterstützen problemorientiertes Lernen

Elektronische Medien sind gut geeignet, um problemorientierte Lerninhalte zu veranschaulichen. Deshalb stehen sie oft in Zusammenhang mit konstruktivistischen Ansätzen der Personalentwicklung. Zu den häufig unter dem Begriff E-Learning zusammengefassten Lernformen gehören:

  • Computer Based Training (CBT): Darunter sind die ersten Lernprogramme zu verstehen, bei denen die Lernenden ohne Betreuung Lerninhalte mithilfe von CDs oder DVDs selbst durcharbeiten.
  • Web Based Training (WBT): Dabei handelt es sich um die Weiterentwicklung des CBT, bei der die Lerninhalte über das firmeninterne Intranet oder das Internet zur Verfügung stehen und es über Chats oder Foren die Möglichkeit zum Austausch mit dem Tutor und den anderen Lernenden gibt.
  • Blended Learning: CBT oder WBT wird mit Präsenzphasen gekoppelt, indem Basiswissen erst eigenständig über elektronische Medien erschlossen und in den Präsenzphasen eingeübt wird.

E-Learning-Angebote sind in den Arbeitsprozess integrierbar

Mithilfe von elektronischen Medien können verschiedene Lerninhalte vermittelt werden – von Sprachkursen über betriebswirtschaftliche Inhalte bis hin zu Produktschulungen. Mitunter können Sie E-Learning-Angebote auch in den Arbeitsprozess integrieren, indem Sie Mitarbeitern webbasierte Inhalte zur Verfügung stellen, die diese bei Bedarf nach dem Learning-on-demand-Prinzip nutzen können. Voraussetzung für computerbasierte Personalentwicklung ist, dass die Mitarbeiter im Unternehmen genügend Freiräume zum selbstständigen Lernen haben. Dafür ist eine Unternehmenskultur nötig, in der die Weiterentwicklung der Mitarbeiter einen hohen Stellenwert hat.

Bei Weiterbildungsmaßnahmen ist die Herausforderung, das erworbene Wissen in der beruflichen Praxis anzuwenden. Wenn Sie bei der Personalentwicklung auf selbstorganisiertes Lernen anhand von praktischen Aufgabenstellungen und authentischen Situationen setzen, erhöhen Sie die Chancen auf einen erfolgreichen Lerntransfer.